Auf der Régordane – Straße der Römer, Maultierkarawanen und Wallfahrer

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An der Ostflanke des Mont Lozère:

Im Hochtal des Chassezac


Wunderschöne Autostraße – von Villefort nach Vans durch die Schlucht des Altier, dann
des Chassezac: Diese Region – Granit im oberen Teil, Schiefer weiter unten – ist eine der
schluchtigsten, wildesten und schönsten der Cevennen. Die Bergbewohner haben an den
steilen Berghängen Terrassen für Gärten und Wein erbaut und Kanäle gezogen, um das
Wasser an die Kulturen heranzuführen. Herrliche Kastanienhaine bedecken die großen
felsigen Bergflanken, weiter unten Oliven und Steineichen …
Hachette 1908
– so ist im Reiseführer von vor 100 Jahren zu lesen.

Der Altier entspringt auf dem Mont Lozère, die Borne fließt vom Tanargue herunter, der Chassezac hat sein Quellgebiet auf dem Zentralmassiv, am Fuß des
Berges La Moure de la Gardille, 1503 m. Die drei Flüsse bilden grandiose Grabenbrüche zwischen den Hochplateaus. In Pied-de-Borne fließen der Altier und die
Borne in den Chassezac.
Geologisch aufschlussreich sind die herrlichen Hochlandflächen oberhalb der Schluchten. Diese sog. »Chams« zeigen die auffällig gleichförmige Topographie einer Ebene, deren »Höhe« sich überraschend erst dann zeigt, wenn man am Rand der Canyons steht. Diese Hochebenen gehören zum alten Sockel des variskischen
Urgebirges, das gegen Ende des Erdaltertums vollständig abgetragen wurde. Man findet die alte Basis aus Granitstein, nur mit einer dünnen Schicht Sandstein bedeckt, ohne die Decke aus Sedimentablagerungen. Trotz aller nachfolgenden erdgeschichtlichen Ablagerungs- und Auffaltungsprozesse in 200 Mio. Jahren ist bei La Garde-Guèrin und auf dem gegenüberliegenden Borne-Massiv der Rumpf des eingeebneten Urgebirges noch sichtbar.


Villefort und La Garde-Guérin


Das Cevennenstädtchen Villefort ist ein touristisches Zentrum am Fuß des Mont Lozère. Seine Geschichte beginnt mit dem Schloss von »Montisfortis«, das im 14. Jh. zerstört wurde. Aus dem landwirtschaftlichen Besitz und weiteren Häusern entlang der Régordane entstand der Marktflecken »Villafortis«, später Villefort. Die Einwohner von Villefort leben einzig und allein von dem kleinen Handel, der ich an bestimmten Markttagen abspielt, und der Passage von Maultierkarawanen, die Wein und andere Lebensmittel transportieren, ist aus der »Collection du Languedoc« von 1760 zu erfahren, die Albin Mazon in seinem historischen Reisebericht zitiert. An 14 Tagen im Jahr wurde mit Seide, Wein und Salz und den einheimischen Produkten, v.a. Kastanien und Holz, gehandelt, so dass sich Villefort auch noch als Marktflecken behaupten konnte, als die Régordane im 18. Jh. und
spätestens Anfang des 19. Jh. durch neue Handelsschwerpunkte entwertet wurde. Verkehrsanbindungen zur Wirtschaftsader des Rhônetals wurden maßgeblich. 1830 ersetzte die heutige D 906 in weiten Passagen die alte Wegstrecke. 1867 wurde die Bahnlinie am Ostrand des Lozère entlang eröffnet. Villefort weihte seinen Bahnhof und die Teilstrecke nach La Levade ein. Es war Schluss mit der hinterwäldlerischen Abgeschiedenheit des Ortes, denn nun fuhr zweimal am Tag der Zug nach Alès. Dafür verschwanden mit einem Schlag die letzten Maultierkolonnen und mit ihnen die Herbergen und Gasthäuser und die Werkstätten der Wagenhersteller und Sackfabrikanten. Die später parallel zur Régordane-Schneise weiter ausgebaute Eisenbahnlinie Paris-Nîmes-Méditerranéebeschäftigte Bahnangestellte,Spediteure und Händler: Die heimischen Produkte wurden »exportiert«, die Maronen aus dem Tal der Borne national bekannt. Trotz dieser gewissen wirtschaftlichen
Belebung zum Ende des 19. Jh. verringerte sich die Zahl der Einwohner von Villefort ständig. Der Krankheitsbefall der Kastanienbäume und der Sturz der Marktpreise verschlechterten die wirtschaftliche Situation der Bergregion. Industrialisierung fand nicht statt. Die bescheidene Ernährungsgrundlage, die sich aus der Lage an der jahrhundertealten Handelsstraße ergeben hatte, war schon lange zerstört.

Der Bau des Stausees von Villefort trug erheblich dazu bei, dass der Ort mittlerweile zu einem beliebten Ferienzentrum geworden ist. Bootsverleihe, Campingplätze, Surf- und Segelschulen entlang des Sees, eine ganze touristische Infrastruktur haben für kommerzielle Aufbruchstimmung gesorgt. Im Sommer herrscht lebhaftes Treiben in der breiten, typisch südfranzösischen Platanenstraße, die sich
quer durch den Ort zieht. Straßencafés, Restaurants und Wochenmärkte locken
Touristen an. Man lässt sich gerne anregen von der behaglichen Geschäftigkeit
dieses provinziellen Nestes tief in den Bergen. Villefort ist ein idealer Ausgangsort
für Bergsport und Wanderungen im Sommer; im Winter ist die Skistation des Mont
Lozère Mas-de-la-Barque von hier aus gut zu erreichen.


Das Festungsdorf La Garde-Guérin an der Regordane


Die Régordane ist zweifellos eine uralte Straßenverbindung durch die Cevennen.
Ihre von der Natur vorgegebene Lage an der Bruchkante des schwer zugänglichen
Mont Lozère wird hierfür gerne als Beleg genommen.
Für die römischen Invasoren spielte diese »Straße der Arverner« eine besondere
Rolle, weil sie von Nîmes, einem Zentrum der römischen Kolonie »Provincia Narbonensis«, in das Gebirge vordrang. Nach der vollständigen Unterwerfung Galliens
war sie die wichtige Handelsverbindung zwischen der Ebene und dem Zentralmassiv.
Jahrhundertelang zogen Maultierkolonnen, handeltreibendes Volk, Reisende
und Pilger die Régordane herauf und herunter. Sie war eine lebhafte Verkehrsader,
an der sich seit dem frühen Mittelalter die Feudalcliquen niederließen, weil sich an

dieser wichtigen Passage Einnahmen abschöpfen ließen: Ritter erhoben Steuern
auf die gehandelten Waren und verlangten von den Reisenden drastische Wegezölle. Im Gegenzug – so hieß es – sollte für Schutz vor Raubüberfällen durch die
Straßenbanden (die berüchtigten »routiers«) und die Instandhaltung der Straße
gesorgt werden.
So errichteten die Ritter von Tournel im 10. Jh. die Zitadelle La Garde-Guérin.
Sie bildeten eine Rittergemeinschaft und machten mit einer kleinen Garnison die
»Polizei« der Régordane. Nachdem das zerstörte Dorf 1925 zum historischen Monument erklärt und nach und nach restauriert wurde, findet man heute das Musterexemplar eines mittelalterlichen Festungsdorfes vor.
Weiter südlich lag an der Régordane in der Nähe des Dorfes
Bayard das Schloss
der Familie Molette de Morange, eines der reichsten Geschlechter der alten Grafschaft Gévaudan (heute Département Lozère).Die Häuser des Dorfes waren bekannte Herbergen; die Feudalherren erhoben Abgaben und boten dafür Schutz. 1964
wurden die Ruinen des Schlosses, die Kirche und die Häuser der Dorfbewohner für
den Stausee unter Wasser gesetzt, durch den seither Elektrizität im Tal von Altier
und Chassezac erzeugt wird.
Südlich von Villefort hatte das Schloss von
Montisfortis auf dem Hügel bei Collet
eine strategisch günstige Position. Es profitierte gleich doppelt, weil hier die OstWest-Handelsverbindung zwischen dem Vivarais und Mende die Nord-Süd-Achse
kreuzte. Weiter Richtung Süden lagen die Straßendörfer Vielvic, Concoules und
Génolhac. Dort gab es Herbergen, Rastplätze, Schmieden, Werkstätten und Marktstände, und die Feudalherren in den Ritterburgen und Schlössern (Portes, Chamborigaud und anderen) bezogen schöne Einkünfte.

 

Wanderung

Großräumig erfasst diese Rundtour, die auch für Mountainbiker geeignet ist, das herrlich
weite Hochlandplateau »Cham Morte«. Es geht auf einer Passage der Regordane zum
Festungsdorf La Garde-Guérin oberhalb der Schlucht des Chassezac. Der letzte Wegabschnitt umrundet auf der kleinen Asphaltstraße die Nordspitze des Lac de Villefort.
Hinweise für die Rad-/Wandertour

 

  • Anfahrt: Von Alès auf der D 906 oder von Les Vans auf der D 901 über den Rücken des
    Serre de Barre nach Villefort; man verlässt die Stadt Richtung Norden nach Prévenchè-
    res, erreicht den Stausee, überquert die »Barrage« zum Altiertal und fährt dicht am See
    entlang. An der Stelle, wo die D 906 mit einer Haarnadelkurve bergauf führt, gibt es eine
    Parkfläche. Die Wanderung beginnt genau dort – an der D 906, auf der Höhe der Stichstraße zu der Ferienhaussiedlung Villages-de-Morangiès
  • Dauer: 3.30 Std.
  • Typ und Schwierigkeitsgrad: Rundwanderung auf breiten Wegen und gelegentlich auf
    kleiner Landstraße.
  • Höhenunterschied: 280 m
  • Orientierung: Die erste Weghälfte folgt dem GR 72 (rot-weiß), keine Markierung auf der
    zweiten Weghälfte.
  • Karte: IGN Nr. 2838 OT Largentière La Bastide-Puylaurent und IGN Nr. 2739 OT Mont
    Lozère, Florac
  • Jahres-/Tageszeit: ganzjährig, kein Schatten auf den Hochflächen

Wegbeschreibung
Es geht auf der D 906 bergauf bis zum Abzweig des GR 72 nach links. Ein schmaler
Pfad schlängelt sich durch tiefen Ginster den Berg hoch und führt später parallel
zum See auf die Anhöhe. Unvermittelt weitet sich der Pfad zu einer primitiv, doch
sehr breit gepflasterten Straße, die erst von Felsblöcken, dann von Steinmauern
gesäumt ist. Es entsteht der Eindruck eines richtigen Fahrweges. Die Straßendecke
ist mit Steinen verschiedener Größe grob gepflastert. Breit und gut sichtbar liegt die
alte Wegstrecke in der Landschaft und zieht am Rande der »Cham Morte« Richtung
Norden.
In 60 Min. führt der gut markierte Weg vom See nach La Garde-Guérin. Nach
einem Rundgang durch das Dorf geht es auf der Straße D 906, bzw. auf dem GR 72
weiter. Parallel zur Landstraße kommen wir durch Ginster und Grasland, erreichen
einen Golfplatz und verlassen den GR 72, der nun quer durch die Wiesen führt. Wir
bleiben auf der Landstraße, die einen Bogen nach Nordwesten beschreibt und
gelangen zu einem Abzweig nach links. Es geht an üppigen Heidematten vorbei bis
zu einer Kreuzung auf der Hügelkuppe. Von hier aus wendet sich der Weg entschieden in den Süden und führt in Serpentinen stetig bergab.
Linkerhand sehen wir noch einmal La Garde-Guérin auf der kahlen Hochfläche
liegen und behalten es im Blick, während wir auf einem breiten, bequemen Weg
nach Pourcharesses hinunterlaufen. Parallel fließt der Bach von Morangiès in den
Stausee. Ab Pourcharesses geht man auf der kleinen Landstraße weiter, die um
die Seespitze herum- und auf der anderen Seite des Sees wieder hinaufführt. Das
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letzte Stück auf der Landstraße zieht sich etwas in die Länge; in noch einmal etwa
30 Min. ist der Ausgangspunkt an der D 906 wieder erreicht.
Eine schöne Variante verkürzt den Weg und führt von La-Garde-Guerin in die
Schlucht des Chassezac. So lassen sich zwei Highlights miteinander verbinden: der
Aufstieg auf der Régordane nach La Garde-Guérin und der Abstieg zu einer wildromantischen Schluchtpassage, wo es zwischen den weißen Granitblöcken tiefblaue Wasserbecken gibt.
Die Wanderung vom Stausee bis nach La Garde-Guérin und zum nördlich davon
gelegenen Aussichtspunkt und Parkplatz verläuft genauso wie oben beschrieben.
Gegenüber vom Parkplatz am Eingang des Dorfes den grasbewachsenen Weg in die
Senke hinunter gehen; dort liegen die alten Viehtränken und der ehemalige Waschplatz des Dorfes. Ein von Mauern eingefasster, schöner alter Weg führt wieder ein
Stück aufwärts und erreicht die kleine Landstraße, die nach Albespeyres führt. Wir
treffen auf den Parkplatz am »Rand« der Chassezac-Schlucht, Ausgangspunkt für
zahlreiche Wanderwege und Einstiegsweg für die Canyonisten. Der Blick vom
Belvédère du Chassezac in die Tiefe ist atemberaubend. Zwischen den Felswänden
sprudelt der Fluss über große, weiß schimmernde Granitblöcke.
Der Abstieg vom Belvédère in die Schlucht beginnt an der nördlichen Seite des
eingezäunten Parkplatzes. Dort zweigt ein zuverlässig markierter Pfad ab (weißes
Schild mit grünem Rand und grünem Punkt) und führt, streckenweise mit Mauern
eingefasst und steinbefestigt, in Kehren den Hang hinunter in die Schlucht. Später
geht es durch eine wilde Bergszenerie an aufragenden Felsnadeln und Steinblöcken
recht steil bergab. Sprudelnde kleine Wasserfälle, große rundgeschliffene Granitblöcke am Rand von tiefen und ausgedehnten Wasserbecken lohnen den Abstieg
(ca. 30 Min. hinunter und 40 Min. hinauf). Auf der Régordane geht es dann wieder
zurück zum Stausee – mit schönen Ausblicken auf den See vor dem Mont Lozère.